Finanzcoach: Ist Bodo Schäfer wirklich ein guter Finanzexperte?

Selbsternannte Finanzgurus wie Bodo Schäfer verdienen viel Geld mit ihren Seminaren. Man kann dort viel über Motivation lernen, doch wie steht es um den Faktor Finanzbildung? Eine kritische, aber faire Analyse!

Mit seinen Vorträgen und Büchern hat Bodo Schäfer einen großen Beitrag dazu geleistet, dass Menschen sich intensiver mit ihren Finanzen beschäftigen. Wie bei vielen anderen Coaches trifft er mit seiner Rhetorik und motivierenden Art immer wieder den richtigen Ton.

Ob seine Philosophie und häufigsten Tipps wirklich so sinnvoll sind, wie es auf dem ersten Blick scheint, haben wir uns in diesem Beitrag näher angeschaut.

Bodo Schäfer setzt positive Impulse

Bodo Schäfer hat mit seiner Arbeit viele Millionen von Menschen dazu inspiriert, sich mehr mit den eigenen Finanzen zu beschäftigen. Sein Bestseller „Ein Hund namens Money“ wurde bereits in mehreren Sprachen veröffentlicht und ist eine geniale Einführung in die Welt der Finanzen.

Ich selbst setze seit meiner Studienzeit auf sein Mehrkonten-System. Es funktioniert folgendermaßen: Sie verdienen jeden Monat einen Betrag X. Von diesem Betrag X überweisen Sie 10-20 Prozent auf ein Sparkonto (oder Depot) und 5-10 Prozent auf ein Spaßkonto. Mit dem Rest des Geldes decken Sie Ihre monatlichen Lebenshaltungskosten. Mithilfe seines Kontensystems gelingt es Menschen das eigene Sparverhalten auf eine bequeme Art und Weise zu automatisieren. Durch die Automatisierung wird eine Routine aufgebaut, an die sie sich im Laufe der Zeit gewöhnen. Schäfer spricht in diesem Zusammenhang von der Macht der Gewohnheit.

Von jeder Gehaltserhöhung empfiehlt er (und ich kann nur zustimmen), die Hälfte auf dem Sparkonto zu parken. Der Rest fließt in die anderen Konten. Konsumschulden sind außerdem tabu, da sie einen nur daran hindern finanziell frei zu werden. All diese Tipps halte ich persönlich für sinnvoll.

Das Problem allerdings ist: Bodo Schäfer ist ein außergewöhnlicher Motivator – aber leider kein „echter“ Finanzexperte.

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Regelmäßig Einkommen verdoppeln?

Einer meiner größten Kritikpunkte ist sein teilweise überzogener Optimismus. In einem seiner Vorträge sprach Bodo Schäfer über sein oben genanntes Sparsystem, mit dem jeder angeblich zum Millionär werden könne. Dafür müssten die Teilnehmer einfach nur ihre Gehälter regelmäßig verdoppeln und 50 Prozent der Gehaltserhöhung sparen bzw. anlegen.

Nur auf diese Art gelingt es jemandem reich zu werden – und nicht nur vermögend zu bleiben. Aber ist das realistisch? Ich jedenfalls kenne niemanden, der alle paar Jahre sein Einkommen verdoppelt – das trifft definitiv nur auf eine verschwindend geringe Minderheit zu.

Zu hohe Renditeannahmen?

In seinem Buch „Der Weg zur Finanziellen Freiheit: Die erste Million“ nimmt er eine durchschnittliche Jahresrendite von acht Prozent an. Das ist aus meiner Sicht zu hoch – den Lesern wurde das Verhältnis zwischen Risiko und Rendite nicht ausreichend erklärt. Eine breit gestreute Geldanlage am Kapitalmarkt erzielt heutzutage eine Rendite von ca. 6-7 Prozent vor Inflation – und das mit einer hohen Aktienquote.

Andere Annahmen halte ich persönlich für unverantwortlich, da sie falsche Erwartungen wecken. Natürlich gehört dies zu seiner „Motivation“ dazu – gerade beim einem solch sensiblen Thema sollte ein Finanzcoach seines Kalibers jedoch etwas vorsichtiger kommunizieren.

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Auch eine Spendenquote von 10 Prozent des Nettoeinkommens halte ich für möglich, aber nicht notwendig. Über unser Steuersystem finanzieren wir viele soziale Projekte bereits mit. Wer darüberhinaus noch spenden möchte, sollte dies seinen finanziellen Möglichkeiten entsprechend auch tun – das eigene Gewissen kann aber auch ohne ruhen.

Ein letzter Punkt ist die Immobilie, in der man selber wohnt. Hier sehe ich einige Parallelen zu Robert Kiyosaki. Natürlich ist das Eigenheim kein Investment per se. Es mit Luxus gleichzustellen, halte ich persönlich für falsch. Luxus ist etwas, das jeder für sich selbst definieren muss. Auch Eigenheime können sich „unbewusst“ als gute Investitionen herausstellen.

Vorsicht mit „Finanzcoaches“

In den vergangenen Jahren begegnen mir immer mehr Personen aus der Coaching-Szene, die angeblich innovative Ansätze entwickelt haben, mit denen andere Menschen schnell finanziell frei werden können. Das Prinzip mag löblich klingen, dahinter stecken jedoch häufig Systeme, die darauf abzielen, Menschen mit falschen Erwartungen zu motivieren für exklusive Kurse und Coachings eine Menge Geld zu zahlen.

Viele dieser selbsternannten Gurus sind erst Wochen aus dem Teenager-Alter raus, haben kaum „echte“ Lebenserfahrung gesammelt und ihr Wissen wiederum aus anderen Coachings gezogen, die dem gleichen Prinzip folgen. Einige machen einen wirklich guten Job und in Teilen gehört auch Bodo Schäfer dazu. Er schafft es jedenfalls, breite Bevölkerungsschichten für Finanzen zu interessieren. Das ist sehr löblich. Seine Finanztipps sind jedoch hier und da etwas realitätsfern.

Mein Tipp: Falls Sie sich für Finanzen interessieren, schnappen Sie sich ein paar Bücher oder schauen Sie bei uns im Wissensbereich vorbei und nehmen Sie das Wissen kritisch auf. Gerade im Finanzbereich ist eigene Erfahrung und die konstante Hinterfragung von Informationen viel wert.

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