Smart-Beta – Funktionsweise, Strategien & ETFs

Smart-Beta-ETFs – auch als Strategic Beta- oder Faktor-ETFs bezeichnet – sind Produkte, die Vorteile der passiven Indexwelt mit denen von aktiv verwalteten Investmentfonds verbinden. Genau wie klassische ETFs bilden sie 1:1 einen Index passiv ab. Die Gewichtung des Index erfolgt aber nicht nach dem Kriterium der Marktkapitalisierung, sondern anhand alternativer Gewichtungskriterien (Marktanomalien) wie Volatilität, Dividendenausschüttung, Momentum, Unternehmensgröße, fundamentalen oder anderen Gesichtspunkten.

Dieser Beitrag erläutert die gängigen Smart-Beta-Strategien und stellt verfügbare Produkte vor.

Was ist Smart-Beta und warum ist das für Anleger relevant?

Mit ETFs nach klassischer Gewichtung entsprechend der Marktkapitalisierung investieren Anleger in die größten Unternehmen der Welt. Damit decken diese mit einem ETF bereits einen Großteil der Marktkapitalisierung der jeweiligen Anlageregion ab. Ein Nachteil davon ist jedoch, dass die größten Unternehmen im Index überdurchschnittlich hoch gewichtet sind. Und häufig handelt es sich dabei um Werte, die bereits in der Vergangenheit gut gelaufen sind. Mit alternativen Gewichtungsformen möchte man diese Nachteile vermeiden. Dabei zieht man andere Gewichtungskriterien heran, um damit entweder eine Überrendite zu erzielen oder das Risiko zu minimieren.

Wie lautet die Geschichte von Smart-Beta-Strategien?

Um die zuvor genannten Nachteile zu vermeiden, forschten bereits vor mehr als 50 Jahren Finanzwissenschaftler nach alternativen Gewichtungsmethoden.

Wichtige Meilensteine waren dabei das von William Sharpe entwickelte Capital Asset Pricing Modell (CAPM) sowie das Drei-Faktoren-Modell von Eugene Fama und Kenneth French, bei dem erstmalig auf wissenschaftlicher Basis das Erzielen einer Überrendite für die Faktoren Value und Size (Unternehmen mit kleinerer Marktkapitalisierung) nachgewiesen wurde.

Inzwischen sind Dank immer besserer Datenanalysemöglichkeiten bis zu 600 Faktoren in der pseudowissenschaftlichen Literatur zu finden, bei denen in der Mehrheit keinerlei kausale Zusammenhänge bestehen. Wissenschaftlich belegt wurde noch nicht einmal eine Hand voll von Faktoren, welche die Rendite oder das Risiko nachhaltig beeinflussen können.

Anleger sollten beim Einsatz von Smart-Beta-ETFs beachten: Mittels Faktoren kann zwar über längere Phasen oft eine höhere Rendite erzielt werden als bei einem Investment in den Gesamtmarkt. Es gibt aber auch Phasen, in denen die einzelnen Faktoren eine unterdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen. Für Anleger ist es schwer vorherzusagen, welcher Faktor in welcher Börsenphase sinnvoll ist.

Welche Smart-Beta-Strategien gibt es?

Equal Weight – Gleichgewichtung der Positionen

Die einfachste Alternative zur Gewichtung nach Marktkapitalisierung ist die Gleichgewichtung aller Aktien oder Anleihen einer bestimmten Anlageregion im Index. Das heißt, bei einem Index mit 50 Werten ist jede Position darin mit jeweils zwei Prozent gewichtet. Damit vermeidet der Anleger Konzentrationsrisiken von Unternehmen mit überproportional starker Marktkapitalisierung. Gleichzeitig steigt die Gewichtung kleinerer Unternehmen im Index. Der Anleger profitiert dabei also von der langfristig zusätzlich eingefahrenen Risikoprämie von Small- und Mid-Caps. Dafür besteht vor allem in unsicheren Börsenphasen ein höheres Verlustrisiko. Small- und Mid Caps weisen in der Regel eine höhere Volatilität auf.

Liste mit Equal-Weight-ETFs

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartVolumen in Mio. €
Xtrackers S&P 500 Equal Weight UCITS ETF0,25NeinPhysisch5.305
Ossiam STOXX Europe 600 Equal Weight NR UCITS ETF0,35NeinSynthetisch324

Über diesen Link finden Sie alle Equal-Weighted-ETFs.

Size – Unternehmensgröße

Während bei der Gleichgewichtung auch kleinere Unternehmen prozentual genauso stark im Index gewichtet sind wie die marktkapitalstärksten Konzerne, setzen Size-ETFs ganz gezielt auf Small- oder Mid Cap-Unternehmen, um so auf renditestarke Aktien mit einem höheren Potenzial zu setzen. Da der Index nur marktkapitalschwächere Werte enthält, gilt hier noch verstärkt das erhöhte Verlustrisiko in unsicheren Börsenphasen.

Liste mit Small-Cap-ETFs

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartVolumen in Mio. €
iShares MSCI World Small Cap UCITS ETF0,35NeinPhysisch3.493
iShares MSCI Japan Small Cap UCITS ETF USD (Dist)0,58JaPhysisch274
iShares MSCI EM Small Cap UCITS ETF USD (Dist)0,74JaPhysisch306
Xtrackers MSCI Europe Small Cap UCITS ETF0,30NeinPhysisch1.227
iShares MSCI EMU Small Cap UCITS ETF EUR (Acc)0,58NeinPhysisch908
iShares S&P Small Cap 600 UCITS ETF USD (Dist)0,40JaPhysisch1.170

Über diesen Link finden Sie alle Small-Cap-ETFs.

Liste mit Mid-Cap-ETFs

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartVolumen in Mio. €
iShares STOXX Europe Mid 200 UCITS ETF (DE)0,20JaPhysisch661
iShares MDAX UCITS ETF (Acc) (DE)0,51NeinPhysisch1.765
iShares MSCI EMU Mid Cap UCITS ETF0,49NeinPhysisch215
SPDR S&P 400 US Mid Cap UCITS ETF0,30NeinPhysisch945

Über diesen Link finden Sie alle Mid-Cap-ETFs.

Value – Aktien mit hoher Substanz

Bei der Value-Strategie investiert der Anleger insbesondere in marktkapitalstarke Unternehmen, die sich seit langen Jahren mit einem bewährten Geschäftsmodell einen Namen gemacht haben. Mittels fundamentaler Kennzahlen wie Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV), Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), Gewinnprognosen oder dem operativen Cashflow versucht der Anleger, unterbewertete Titel aus dem Anlageuniversum zu selektieren. Langfristig erzielten Value-Titel nach verschiedensten Studien eine deutliche Überrendite. Seit der Finanzkrise hinken Value-Titel jedoch deutlich Wachstumsaktien hinterher.

Liste mit Value-ETFs

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartVolumen in Mio. €
iShares Edge MSCI World Value Factor UCITS ETF0,30NeinPhysisch5.736
iShares Edge MSCI USA Value Factor UCITS ETF0,20NeinPhysisch5.203
iShares Edge MSCI Europe Value Factor UCITS ETF0,25NeinPhysisch3.304

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Momentum – Aktien mit Kursdynamik

Momentum-Strategien setzen auf Aktien mit einer hohen Kursdynamik, also einem hohen Momentum. Es handelt sich also um Titel, welche in den vergangenen meist sechs bis zwölf Monaten eine überdurchschnittliche Rendite erzielten. Der Anleger setzt also auf eine opportunistische Anlagestrategie. Dabei geht er davon aus, dass diese Werte auch in der Zukunft eine überdurchschnittliche Rendite erzielen. Häufig setzt der Anleger dabei auf Wachstumstitel. In den vergangenen zehn Jahren konnten Anleger damit eine deutliche Überrendite erzielen.

Liste mit Momentum-ETFs

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartVolumen in Mio. €
iShares Edge MSCI World Momentum Factor UCITS ETF0,30NeinPhysisch2.331
iShares Edge MSCI USA Momentum Factor UCITS ETF0,20NeinPhysisch1.610
iShares Edge MSCI Europe Momentum Factor UCITS ETF0,25NeinPhysisch431

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Quality – Aktien mit hoher Qualität

Bei dieser Strategie setzt der Anleger auf qualitativ hochwertige Aktien. Ähnlich wie bei der Value-Strategie beruht die Quality-Strategie auf fundamentalen Kennzahlen. Im Fokus stehen hierbei jedoch nicht aktuelle Bewertungskriterien, sondern qualitative Kennziffern wie die Höhe und Nachhaltigkeit von Gewinnen, die Verschuldungsrate, das Geschäftsmodell innerhalb des aktuellen Marktumfeldes oder auch das Management. Seit der Finanzkrise erzielten Anleger mit dieser Strategie eine deutliche Überrendite.

Liste mit Quality-ETFs

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartVolumen in Mio. €
Xtrackers MSCI World Quality UCITS ETF0,25NeinPhysisch473
UBS Factor MSCI USA Quality UCITS ETF0,25JaPhysisch197
iShares Edge MSCI USA Quality Factor UCITS ETF0,20NeinPhysisch524
UBS Factor MSCI EMU Quality UCITS ETF0,28JaPhysisch178
Amundi MSCI Europe Quality Factor UCITS ETF0,23NeinSynthetisch614

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Low Volatility (Minimum Variance) – Aktien mit niedriger Schwankung

Im Fokus des Einsatzes von Low-Volatility- aber auch Minimum-Variance-Produkten steht die Minimierung von Verlustrisiken. Somit spielen diese Produkte eine wichtige Rolle bei der Risikosteuerung des Gesamtportfolios. Bei Minimum bzw. Low Volatility-ETFs setzen Anleger auf Aktien mit der geringsten Wertschwankung. Ein ähnliches System verfolgen sogenannte Minimum-Variance-Strategien. Hierbei wird jedoch noch ein komplexeres Optimierungsverfahren angewandt. Dabei wird zudem die Korrelation der Werte untereinander und der Anteil einer Aktie am Gesamtrisiko berücksichtigt. Die Strategie hat jedoch einen Haken: Aktien mit geringen Verlusten erzielen in guten Börsenzeiten häufig auch geringere Gewinne.

Liste mit Low-Volatility-ETFs

Über diesen Link finden Sie alle Low-Volatility-ETFs.

Dividend – Aktien mit hoher Dividendenrendite

Hier setzen Anleger auf Aktien mit besonders hoher Dividendenrendite. Der Haken bei dieser Strategie: Häufig handelt es sich hierbei um Unternehmen mit schwierigem Geschäftsumfeld, die Anleger mit besonders hohen Gewinnausschüttungen locken. Wichtig ist es deshalb, dass bei dem Produkt nicht nur auf die Höhe der ausgezahlten Dividende, sondern auch die Nachhaltigkeit der Ausschüttungen geachtet wird. Dies trifft zum Beispiel auf sogenannte Dividendenaristokraten zu, bei denen die Dividenden in der vergangenen Dekade zumindest konstant oder besser noch gestiegen sind. Andere setzen auf Dividendenaktien, deren Ausschüttungsquote nicht auf Kosten der künftigen Investitionskraft des Unternehmens gehen. Die Dividenden-Strategie ist in Fachkreisen umstritten. In den vergangenen zehn Jahren erzielten globale Dividenden-ETFs eine leichte Minderrendite gegenüber dem breit gestreuten MSCI World.

Liste mit Dividenden-ETFs

ETF-NameTER in %AusschüttungReplikationsartVolumen in Mio. €
SPDR S&P Pan Asia Dividend Aristocrats UCITS ETF0,55JaPhysisch178
iShares EM Dividend UCITS ETF USD (Dist)0,65JaPhysisch347
iShares UK Dividend UCITS ETF0,40JaPhysisch906